„Dankbar ehrt als wack're Krieger Euch noch spät das Vaterland“

 

Vor nicht langer Zeit las ich diesen Spruch auf einer Gedenktafel für Gefallene der napoleonischen Kriege am Anfang des vorigen Jahrhunderts. Treffender wäre es wohl gewesen, wenn unsere Vorfahren nicht „dankbar", sondern „undankbar" auf die Gefallenentafel geschrieben hätten; denn von Spinnweben umrankt wird dieses vergessene „Denkmal“ aus fernen Tagen unter ,dem düsteren Dach einer Dorfkirche langsam aber sicher vom Holzwurm zernagt.

 

Auf diese einst mit Lorbeer umkränzte Ehrentafel blickten die Menschen bei der Weihe vor über 100 Jahren und auch später noch mit Ehrfurcht und Respekt.

Heute starren sie nur noch „abgesetzte“ Apostel und Heilige mit traurigen und mitleidsvollen Augen aus dunklen Ecken unterm Kirchendach an, wohin auch sie der (Un)-Geist der Zeit verbannt hat.

 

Ehrenvoller ist es daher, die Erinnerung an die Gefallenen nicht allein der Vergänglichkeit von Holz und Stein ,anzuvertrauen, sondern den lebenden Herzen ihres Volkes.

 

Diese Erinnerung in die Herzen seines bayrischen Volkes „einzumeißeln“ und zu pflegen war ein Herzensanliegen für Bayerns Märchenkönig Ludwig II. Im Mai 1874 veranlaßte er daher die Gründung des „Bayrischen Kriegerbund“. In diesem Verband schlossen sich die wenigen, bereits bestehenden und insbesondere die vielen im Jahre 1874 entstehenden bayerischen Veteranen-und Soldatenvereine zusammen.

Damals im Jahre 1874 schlug auch die Geburtsstunde des „Veteranen-und Kriegervereins Pfaffenhofen a.d.Glonn.Schon längere Zeit vorher bestand bereits eine sogenannte

„Wilde Zunft“ der Ex Soldaten.

 

Bei der Gründung des Veteranen- und Soldateinvereins haben sich Dr. Michael Zeller, prakt. Arzt in Egenhofen und Franz Metzger, Metzgermeister in Egenburg besonders hervorgetan. Dies war wohl auch der Anlaß, daß zum 1. Vorstand Dr. Zeller und als Kassier Franz Metzger gewählt wurden. Ferner wurde Max Metzger, Schreinermeister und Kirchenmaler aus Egenburg zum Sekretär bestellt.

Der Ausschuß setzte sich aus folgenden Mitgliedern zusammen:

Matthias Niedermeir     Wirt                   Ebersried

Johann Helgemeir                                   Baindlkirch

Anton Andrä                                          Egenburg

Georg Huber            Hirner-Bauer          Poigern

Michael Näßl            Kiemer-Bauer        Poigern

Johann Aicher           Zimmermeister        Weyhern

Alois Beitelrock        Bauer                     Stockach

Josef Erhard             Bauer                     Sirchenried

Die Zahl der Gründungsmitglieder betrug 92.

 

 Sie kamen nicht nur aus den sogenannten „3 Fürstentümern an der Glonn, d. h. aus den Pfarreien Pfaffenhofen a. d. GI., Egenburg und Egenhofen, sondern hauptsächlich auch aus den Pfarreien Baindlkirch, Günzelhofen und Mittelstetten, die jedoch später wieder ausschieden, um eigene Veteranen-und Kriegervereine zu gründen.

 

                                                                                                                                                  Die Entstehung des Vereins in Pfaffenhofen a. d. Gl. fiel in die Zeit nach dem Frankreichfeldzug 1870/71, als die vaterländische Begeisterung in ganz Deutschland hohe Wellen schlug. Gegründet wurde er, um alljährlich ein Erinnerungsfest mit kirchlicher Feier zum Andenken an die für König, Kaiser und Vaterland gefallenen Krieger zu begehen und dabei auch insbesondere der für die bayerische Armee so ruhm-, aber ebenso auch sehr verlustreichen Schlacht bei Sedan (1. September 1870) ehrend  zu gedenken.

 

Durch diese jährliche Erinnerungsfeier sollte der im Krieg so bewährte kameradschaftliche Geist weiterhin gepflegt und die Liebe zu Vaterland und Heimat wachgehalten werden. Ferner hatte es sich der Verein,zur Ehrenpflicht gemacht,alte gebrechliche Veteranen,in Feldzügen arbeitsunfähig gewordene Krieger ohne rechtlichen Anspruch auf Pension als Invalide und auch länger erkrankte mittellose Mitglieder zu unterstützen"

 

Um einen angemessenen Unterstützungsbeitrag hierzuleisten zu können,wurden vom Bayerischen Kriegerbund Wohltätigkeitslotterien durchgeführt,von denen beispielsweise eine im Jahre 1878 über 2,8 Millionen Mark erbrachte.

Für die damalige Zeit eine sehr beachtliche,stolze Summe.

Betrug doch in diesen Jahren der Stundenlohn eines Arbeiters nur rund 20 Pfennig,d.h.

1 Maß Bier.

Ausgeschlossen von den Zielen des Vereins war die Verfolgung politischer oder religiöser Interessen.

Jeder,der in der deutschen Armee ehrenvoll gedient hatte,gleichgültig,ob er Feldzüge bzw. Kriege mitgemacht hatte oder nicht,konnte ordentliches Mitglied werden.

Ehrenmitglied konnte werden,wer sich um die Förderung des Vereins besonders verdient gemacht hatte.Üblich war es,daß der jeweilige Besitzer der Vereinswirtschaft zum Ehrenmitglied ernannt wurde.

Ausgeschlossen sollten diejenigen Mitglieder werden, die sich in ihrem bürgerlichen wie militärischen Leben eines gemeinen Verbrechens schuldig gemacht hatten und bestraft worden waren. Auch diejenigen, die sich an Aufständen oder Demonstrationen gegen das Herrscherhaus und die Regierung beteiligten, sollten ihrer Mitgliedschaft verlustig gehen.

Jedes Vereinsmitglied, gleichviel ob ordentliches oder Ehrenmitglied, mußte eine Aufnahmegebühr von 1 Gulden (=1,71 Mark) und einen. monatlichen Vereinsbeitrag von 6 Kreuzern (=18 Pfennig) entrichten.

Jedes ordentliche Vereinsmitglied bekam ein an ein weiß-blaues und schwarzweiß-rotes Band geheftetes Vereinszeichen aus weißem Metall, die Ehrenmitglieder dagegen eine weiß-blaue und schwarz-weiß-rote Schleife. Diese Vereinszeichen durften nur bei Vereinsfesten getragen werden.

Vorstandschaft und Ausschußmitglieder konnten nur vom ordentlichen Mitgliedern gewählt werden; Ehrenmitglieder hatten keine Stimmberechtigung.

Der Vorstand hatte den Verein in allen seinen Angelegenheiten,Rechten und Verbindlichkeiten nach Maßgabe der gefassten Beschlüsse zu vertreten. Sein Vertreter war der Kassier, der Einnahmen und Ausgaben gewissenhaft und pünktlich zu verrechnen-hatte und auch für die anvertrauten Vereinsgelder haftete.

 

Der Sekretär war Protokollführer und hatte alle anfallenden schriftlichen. Arbeiten zu erledigen, sowie das Inventarverzeichnis zu führen. Seine Aufgaben übernahm nach einigen Jahren der Kassier.Später wieder der Sekretär,oder auch Schriftführer.

Sämtliche Mitglieder hatten bei ihrem freiwilligen oder unfreiwilligen Austritt keinen Anspruch auf die Rückerstattung der einbezahlten Beiträge. Freiwillig ausgetretene Mitglieder konnten später wieder beitreten,wenn sie die geltende Eintrittsgebühr entrichteten.

Bei Auflösung des Vereins sollte das vorhandene Vereinsvermögen einem wohltätigen Zwecke zugeführt werden.

Diese bereits vor 100 Jahren aufgestellten Grundsätze gelten im wesentlichen bis auf den heutigen Tag.

Bereits ein Jahr nach der Vereinsgründung wurde zum Preis von,

 370 Gulden (=632 Mark 70 Pfennig) eine neue Fahne beschafft. Im gleichen Jahre fand unter allgemeiner festlicher Teilnahme der Einwohnerschaft in Pfaffenhofen a.d.Gl.

die Fahnenweihe statt. Für die Fahne und für die Vorbereitung des Festes waren an „Schankurigen“,d.h.freiwilligen Spenden 500 Gulden 5 Kreuzer (=855 Mark 15 Pfennig) eingegangen.Am spendenfreudigsten zeigten sich Franz Wieland,Poigern (100 Gulden), Michael Naßl,Poigern (50 Gulden) und Xaver Loder,Wenigmünchen (50 Gulden).

Am Tag der ',Fahnenweihe wurde zur Feier der Anwesenheit von „höheren“Persönlichkeiten insbesondere des Herrn Generals von der Tann ein Feuerwerk abgebrannt.Die Teilnahme dieses hohen Offiziers mußte wahrlich als eine besondere Auszeichnung und Ehre für den Verein empfunden werden,denn General von der Tann war der ruhmreiche, berühmte, bayrische Heerführer von 1870/71,der maßgeblichen Anteil an dem gewaltigen Sieg der Deutschen bei Sedan hatte,wo Napoleon III.und die französische Hauptarmee gefangen genommen wurde.

Rühmend erwähnt sei hier noch die Regimentsmusik des Kgl.bayr.3.Inf.Rgt.Augsburg,die beim Vormarsch der bayrischen Angriffskolonnen auf Befehl des Generals von der Tann vor Sedan (am Eingang von Bazailles) unausgesetzt spielte,ohne sich durch die ringsum einschlagenden Geschoße aus dem Takte bringen zu lassen.

Unter den. vielen Anerkennungen, die General von der Tann für seine Ruhmestaten im deutsch französischen Kriege zuteil wurden,waren seine Beförderung in die Klasse der Großkreuze des Max-Josef-Ordens,und die Benennung des 11.Infanterieregiments und einer Straße in München nach seinem durch die Schlacht bei Sedan so berühmt gewordenen Namen.

In den nun folgenden friedvollen Jahren im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts gedieh und wuchs der Verein,so,daß er im Jahre 1896 bereits 130 Mitglieder zählte.

Alljährlich in der Regel im Herbst wurde immer in sehr festlichem•Rahmen das Stiftungsfest begangen.

Um in jedem Jahre auf Lebenszeit daran zechfrei teilnehmen zu können, spendete Martin Hartl von Mittelstetten 1875 einen Betrag von 100 Mark. Dieses Angebot wurde von der Vorstandschaft angenommen und gebilligt.

(Hartl soll jedoch trotzdem jährlich beim Feste seine Zeche voll bezahlt haben.)

Das Veteranenfest wurde bereits beim „Gebetläuten“ am frühen Morgen durch Salutschießen angekündigt. Zum Kirchzug mit Fahne und Musik versammelten sich die Mitglieder vor der Vereinswirtschaft so rechtzeitig, daß sie sich in aller Ruhe noch

1 Maß Bier und 1 Paar Weißwürste schmecken lassen konnten.

Nach dem Gefallenengottesdienst und der Gedenkfeier am Kriegerdenkmal gings mit Fahne und Musik zurück zur Vereinswirtschaft, wo das Festmahl eingenommen wurde. Dies besteht bis zum (heutigen Tage aus einer Suppe (Leberspätzl, Pfannkuchen), Voressen und Schweinebraten. Nachmittags folgte dann der Vorstands-und Kassenbericht und im allgemeinen alle 3 Jahre die Vorstandswahl. Anschließend vereinte die Mitglieder ein gemütliches,geselliges Beisammensein. Bis zu Beginn des 1.Weltkrieges wurde noch immer der„Tag von Sedan“ mitgefeiert,d.h.in Erinnerung an diesen denkwürdigen Tag wurde Abends ein Feuerwerk abgebrannt.

Das Veteranenfest wurde bis zum Jahre 1903 wechselweise in Pfaffenhofen a.d.Glonn und Baindlkirch und von 1904-1961 in Pfaffenhofen a.d.Glonn begangen.

Seit 1962 wird es wechselweise in Egenburg und Egenhofen gefeiert. Noch heute ist es Brauch und Sitte, daß zum Veteranenfest der „Bräu“ als Umtrunk 1 hl Bier stiftet?

Bei Ausbruch des 1.Weltkrieges 1914 zählte der Verein noch 57 Mitglieder. Durch die Kriegsnöte kam das Vereinsleben fast zum Erliegen. Gar oft mußte der Trauerflor an die Fahne geheftet werden, um einem gefallenen oder gestorbenen Kameraden die letzte Ehre zu erweisen.

Nach Ende der so schweren Kriegsjahre 1914/18 erlebte der Verein im Jahre 1919 eine neue Blüte.

Die Zahl der Mitglieder wuchs auf 138.Als Jahresbeitrag wurde 1 Mark für alte und 2 Mark für neue Mitglieder festgesetzt. 1920 mußte bereits eine Erhöhung auf 3 Mark und schon 1922 auf 50 Mark vorgenommen werden. Im Jahre 1923 erreichte die Inflation ihren Höhepunkt, so daß vorn den Mitgliedern ein Jahresbeitrag von 20000 Mark eingehoben werden mußte. Der Gefallenengottesdienst kostete in diesem Jahr 2 Millionen Mark,

eine Verstorbenenmesse 1400000 Mark und das Ausspeisen von 5 Veteranen von 1870/71 19326000 Mark So war es nicht verwunderlich und damals auch keine Seltenheit,daß in dieser Zeit Geldbeutel oder Brieftasche überflüssig wurden,da ja als Geldbeutel ein Rucksack benötigt wurde!

In diesen jammervollen Tagen entschloß sich der Verein, eine Salutkanone und eine neue Fahne zu beschaffen. Die Salutkanone war von der Bahnstation Nannhofen nach Osterholz gebracht worden. Von dort zogen wir Egenburger „Knirpse" von 8-12 Jahren unter viel Mühen und Schweiß die Kanone nach Egenburg nicht ahnend,daß einige von uns in der Blüte ihrer Jahre den Soldatentod sterben würden und die Kanone einst mit donnernder Stimme den letzten Heimatgruß an ihr fernes Grab schicken würde.

Gestiftet wurde die Salutkanone von Leonhard Liebert aus Miesberg.

Für den Kauf der neuen Fahne war Geld nicht mehr gefragt,da es von Tag zu Tag wertloser wurde.Man griff daher auf eine natürliche,beständigere Währung zurück,d.h.

auf Getreide,wie Roggen,Weizen,Gerste und Hafer.Je nach Tagwerksgröße ihres landwirtschaftlichen Anwesens spendeten die Mitglieder 10-100 Pfund Getreide. So konnte in dieser schweren Zeit von der Fa. Auer in München,eine Fahne gekauft werden. Sie zeigt auf der Vorderseite den Drachentöter Michael und auf der Rückseite einen zurückkehrenden Krieger.Er wird von seiner Frau empfangen,die auf dem Acker den Pflug führt,während aus,dem Hintergrund Pfaffenhofen a.d.Glonn grüßt.

Bereits ein Jahr später, also 1924, als aus 1 Billion Mark (= 1000000000000 Mark)

1 Rentenmark geworden war,und die finanziellen Verhältnisse sich wieder einigermaßen normalisiert hatten,konnte das 50-jährige Stiftungsfest mit Fahnenweihe und großen Feierlichkeiten begangen werden.Zahlreiche auswärtige Vereine waren erschienen.Die Ehre des Patenvereins übernahm wie konnte es auch anders sein,der Veteranen-und Kriegerverein Baindlkirch,dessen Mitglieder teilweise einst dem Veteranen-und Kriegerverein Pfaffenhofen noch angehört hatten.

Für die Fahnenweihe stiftete Herr Baron von Lotzbeck,der stets auch eine offene Hand für den Verein hatte,als erster an sogenanntem „guten Geld“ 100 Reichsmark.

Die Mitglieder 2 Reichsmark.

 

Es folgten nun einige „schöne Jahre mit Fahnenweihen“ in der näheren und weiteren Umgebung. Dabei hat eines unserer ältesten Mitglieder seine „schönste“ und seine „enttäuschendste“ Fahnenweihe erlebt, an die er sich heute noch sehr genau und recht gut, erinnern kann:

„Ja bei da schensten Fahnaweih ham ma scho richti aufglodn ghabt und aufm Hoamweg ham ma afa moi an Saudurscht kriagt, sodaß ma bei der negtschn Wirtschaft nimma vorbeikemma san. Mia genga also nei und wia ma neikemma, verliert oana,der an Mordsaffn ghot hot, sei Gleichgwicht,will si am Kachlfofa eihalten und scho hautsn an Bodn hi.Und glai auf eahm drauf da Kachlofa!

 

Bei da schlechtstn Fahnaweih habn ma,wia oiwei,a „Zech" ghabt. An eigner Wechsl ham ma oiwa a dabei ghabt.Und was verlangt der ausgschamte Lackl vo an Wirt - ma möchts net glabn-sogar no´s Überbier! So wo´s hots a gebn! Aber seit dem Tag is vo ins Vetrana koana mehr zu dem ruachigen Hammi neiganga. Und dös hab i ghaltn bis zum heutigen Tag a wenn er scho lang nimma lebt.“

Daß sich unser alter Veteran noch heute darüber sehr erregt und empört, ist wohl verständlich; denn in damaliger Zeit galt in Bayern

1 Maß Bier noch als Richtmaß für viele Dinge des täglichen Bedarfs,und einen Wert wußte jeder wohl zu schätzen.

Und meine Frage, was er denn von den heutigen „Spezis“ und „Goaßn“ halte, beantwortet er nur mit einem unwirrschen „A geh zua“drei Worte, in 'denen, seine tiefste Verachtung für ein solches Getränk zum Ausdruck kommt, und mit einer unmißverständlichen, wegwerfenden Geste mit seiner knochigen Arbeitshand, die noch heute so gerne „Maßen stemmen würde“ wenn es sein biblisches Alter von über 92 Jahren noch erlauben würde. Ja, er empfand es fast als Beleidigung, ihn über die neumodischen Getränke zu befragen.

Nicht unerwähnt möchte ich lassen - und ich bitte ihn um Verzeihung, daß ich dies tue -, daß unser lieber Alter ein tapferer, treuer und 'hoch dekorierter Soldat im 1. Weltkrieg war. Und wenn ich ihn sehe oder an ihn denke, da fällt mir immer ein, was ein :ganz „Großer" einmal gesagt haben soll:

Des Vaterlandes ärmster Sohn ist auch sein treuester!

 

Im Jahre 1930 betrug die Mitgliederzahl noch 140. Bis 1935 sank sie auf 82 zurück.

Im Jahr 1932 gab es bereits 7 Millionen Arbeitslose,d.h.die Wirtschafts- und Finanzlage des deutschen Volkes war unvorstellbar schlecht und katastrophal. Darauf ist es zweifelsohne zurückzuführen, daß sich der Verein beim Veteranenfest 1932 keine Musikkapelle mehr leisten konnte und statt dessen aus einem Grammophon gegen eine Leihgebühr von 1 RM krächzende Marschmusik entlockt werden mußte.

 

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Jahre 1933 mußte,

der Verein,der bisher dem Bayrischen Kriegerbund angehörte,dem großen Reichsverband „Kyffhäuser-Bund“ beitreten.Bereits 50 Jahre vorher wollte Kaiser Wilhelm I.den Bayrischen Kriegerbund in den Kyffhäuser-Bund aufnehmen, doch die Bayern wehrten diesen Versuch erfolgreich ab.

Die Nationalsozialisten brachten es jedoch mit einem Federstrich fertig,wie so viele andere Verbände, Organisationen usw. auch den Veteranen-und Soldatenverein „gleichzuschalten“. Er sollte zu einer militanten Organisation umgeschult werden. So gab es beim jährlichen Stiftungsfest keine Generalversammlung mehr, sondern einen „Generalappell“.

„In der Leiten drunten“, wo heute der Sportplatz des VfL Egenburg liegt,wurde ein Schießstand errichtet,der jedoch nach dem vergangenen Krieg bald verfiel und wieder verschwand. Für ihn hatte der Kyffhäuser-Bund einen Beitrag von 50 Reichsmark

vor dem Kriege geleistet.

Im Sommer 1939 brach nun der unheilvolle 2.Weltkrieg aus. In den folgenden Kriegsjahren sah man gar oft, mindestens im Durchschnitt einmal im Monat, die Vereinsfahne auf einem Friedhof, um einem gefallenen Kameraden die letzte Ehre zu erweisen. Und die Salutkanone sandte ihm übers Glonntal den letzten Gruß aus dem Heimatdorf.

Nach dem unseligen Kriegsende haben die Vereinigten Staaten als Besatzungsmacht

alle Veteranen-und Soldatenvereine verboten,um,wie es hieß,das deutsche Volk, insbesondere aber die deutsche Jugend,

nicht nur vom „Nationalsozialismus und Militarismus zu befreien“

sondern auch „umzuerziehen".

Im Jahre 1951 war es soweit, daß der Verein wieder gegründet werden konnte. Das erste Veteranenfest wurde zum 16. 9. 1951 wieder nach Pfaffenhofen einberufen. 67 ehemalige Soldaten des 1. und 2. Weltkrieges leisteten der Einladung Folge und versammelten sich nach dem Gedenkgottesdienst und Gefallenenehrung wieder in der alten Vereinswirtschaft Lampl,wo nach altem Brauch das Mahl eingenommen wurde. Sie wählten den alten Vorstand Anton Klotz, der schon in der Vorkriegszeit seit 1934 ein tüchtiger und bewährter Vorstand war, wieder zum neuen Vorstand, Kamerad Hans Mittelhammer zum Kassier und Kamerad Bartl Gailer zum Vereinsdiener. Dem Kameraden Matthias Haas, der allen gefallenen Kameraden des 2. Weltkrieges das letzte „Lebewohl“ geschossen hatte, wurde wieder die Salutkanone anvertraut.

 

Mit Ausnahme des im Jahre 1954zum Ehrenvorstand ernannten Anton Klotz, der im Jahre 1970 im Alter von über 90 Jahren gestorben ist, sind alle noch bis heute in ihren Ämtern tätig. Es ist daher Chronistenpflicht, ihnen im Namen aller Kameraden für ihre Vereinstreue an dieser Stelle den herzlichsten Dank zu sagen, und die gebührende Anerkennung zu zollen.

Als Vereinsbeitrag wurde 1951 eine DM jährlich festgesetzt.

Da der Veteranen-und Kriegerverein im Jahre 1949,als das 75-jährige Stiftungfest gefeiert werden sollte,noch verboten war, wurde 1954 das 80-jährige Stiftungsfest mit großer Feierlichkeit in Pfaffenhofen begangen.Eingeladen und anwesend waren 24 Vereine.

Zu diesem Fest wurde auch eine Erinnerungstafel mit den Fotos aller gefallenen und heimgekehrten Krieger des 2. Weltkrieges beschafft, die alljährlich beim Veteranenfest neben der Fahne im Saale der Vereins­wirtschaft aufgehängt wird.

 

Nicht unerwähnt soll bleiben, daß auf Veranlassung der Gema am 8. 11. 1955 beim Ehrenvorstand Klotz ein Gerichtsvollzieher erschienen ist, um eine angebliche Forderung von 16,80 DM beizutreiben.

Ja:„dankbar ehrt als wackre Krieger Euch noch spät das Vaterland“.

 

Beim Veteranenfest am 25. 10. 1959 hatten Lausbuben in ihrem jugendlichen Leichtsinn Äpfel in das Rohr der Salutkanone gesteckt, so daß beim Schießen ein Stück der Rohröffnung weggerissen wurde, an die Friedhofsmauer in Pfaffenhofen flog und als Abpraller an der Schulter des Kameraden Vöst vorbeizischte. Dabei erwischte es noch den Anzug und beschädigte ihn. Einen körperlichen Schaden verursachte es nicht und so kamen neben Kamerad Vöst noch etliche in der Nähe stehende Kameraden mit dem Schrecken davon.

Bis zum Jahre 1960 war die Mitgliederzahl auf 146 angewachsen.

Im Jahre 1962 wurde das Veteranenfest das erste Mal seit nahezu 60 Jahren nicht mehr in Pfaffenhofen, sondern in Egenburg begangen; denn die Familie Lampl hat in diesem Jahre ihre weithin so bekannte und geschätzte Gastwirtschaft geschlossen, so daß der Verein gezwungen war, seither sein Veteranenfest in jährlichem Wechsel

in Egenburg und Egenhofen abzuhalten.

Im Jahre 1971 wurde eine neue Salutkanone unter beachtlicher Unterstützung der Gemeinden Pfaffenhofen a.d.Gl.(300 DM),Unterumbach (150 DM) und Weitenried

(200 DM) zum Preise von 670 DM beschafft,

die Alte die mit dem „Rohrkrepierer“erwarb ein Liebhaber für130 DM.

Im gleichen Jahre hat die Generalversammlung beschlossen, den „Veteranen-und Soldatenverein Pfaffenhofen a.d.Glonn“in

„Krieger-und Soldatenverein Pfaffenhofen a.d.Glonn“ umzubenennen, wie es die vielen anderen„Veteranen- und Soldatenvereine“ auch getan haben.

Beim letzten Veteranenfest im Herbst 1973 betrug die Zahl der Vereins­mitglieder 137,

d.h.sie hat sich seit der Wiedergründung des Vereins im Jahre 1951 mehr als verdoppelt.

 

Dies gibt zur begründeten Hoffnung Anlaß, daß auch in einem) Zeitalter der Vermassung und der Unpersöhnlichkeit der Menschen,Kameradschaft weiterhin gepflegt wird und Tradition,Ehre ,und Vaterland (Heimat) nicht wie Symbole aus einer anderen Zeit bestaunt werden.

Ja,der„Krieger-und Soldatenverein“ gilt heute als das alte,treue Herz eines gemeindlichen Vereinslebens,das aufgrund einer„jahrhundertlangen" Erfahrung im gereiften Wissen zu einer eindringlichen Mahnung pocht.

Daß es auch noch in fernen Tagen schlagen möge , das gebe Gott!

 

Gez:Stefan Metzger

 

 


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